Trauma

Der Begriff Trauma bezeichnet in der Psychologie schwerwiegende seelische Verletzungen, die bspw. durch Naturkatastrophen, Kriege, Folter, Vergewaltigung, Unfall, eine Krebsdiagnose etc. ausgelöst werden können. Der Begriff wird nicht einheitlich verwendet und bezeichnet sowohl die Ursachen, als auch die Symptome und Folgen einer traumatisierenden Erfahrung gleichermaßen.

Das Trauma ist gekennzeichnet durch einen damit verbundenen Mangel an Normalität, wie wenn man nach einer schwerwiegenden Lebenserfahrung trotz vielen redlichen Bemühungen nicht wieder zu eigenen Kräften gekommen wäre und schwer fassbar gestört und eingeschränkt bliebe. Das Phänomen wird auch so beschrieben, wie man konstant neben sich stehen würde und nicht man selbst wäre. Diese Zustände halten an und wiederholen sich und beanspruchen den Platz der Normalität im Leben eines Betroffenen – eine schwere Belastung.

Traumata gehen mit subjektiver Verunsicherung und einer Verminderung des Selbstbewusstseins einher, sie führen oft zu Ausgrenzung und einem verständlicherweise unbändigen Wunsch, die Misere nach Möglichkeit ohne Verzug zu beenden.

Frühere Generationen

Unsere Vorfahren (und wir auch heute) haben Krieg, Zerstörung, Leibeigentum, Trennung, Flucht und den Verlust von Eigentum erlitten, das Siechtum als Folge von Geschlechtskrankheiten, Tuberkulose und deren Behandlung, Übergriffe von Erziehern und Kirche an Schutzbefohlenen, Entbehrung, Depression, Konzentrationslager und vieles mehr.

In diesen Erfahrungen gab es Täter und Opfer. Zum einen Zeitpunkt gesellschaftliches Vorbild und Helden, waren sie zu einem späteren Zeitpunkt verpönt. Die Menschen und Familien, die schwere Zeiten überlebt haben, mussten mit diesen Erfahrungen leben lernen. Was nicht opportun war in Wort gefasst zu werden, musste man kunstvoll hinter einem Mantel aus Schweigen verbergen, um einen Rest von gesellschaftlichem Status zu bewahren.

Kinder spüren diese inneren Kämpfe der Älteren und entdecken spätestens ab der Pubertät, dass das Verhalten von Eltern und Vorfahren in vielen Fällen nicht authentisch ist und sich auf ihnen unbekannte und unerklärliche Erfahrungen bezieht. Die Wahrnehmung dieser Diskrepanz führt zu einem Mitempfinden mit den Vorfahren, das den Verhaltensspielraum der Kinder einschränkt: Aus Protest und Wut, weil sie nicht gut genug für die Wahrheit zu sein scheinen, oder als Mitwisser, die an der eigentlichen Tat gar nicht beteiligt waren.

Auf diese oder ähnliche Art leiden Menschen, die das eigentliche Trauma subjektiv gar nicht erlebt haben, weiter an den Folgen der traumatischen Erfahrung der Vorfahren. Diesen Bezug kann man sogar im Erbgut der Folgegenerationen nachweisen (Epigenetik).

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Eine Perspektive für die Traumatherapie

Extremsportler entwickeln, wenn sie ihr Ziel unter unsäglichen Belastungen erreicht haben, zumindest zeitweise Stärke, Stolz und Selbstbewusstsein. Dabei hat der Sportler seine extreme Herausforderung natürlich selbst gewählt.

Das typische an der extremen traumatischen Erfahrung ist dagegen, dass das Unheil ungewollt, schicksalhaft und schwer verletzend über den Betroffenen hereinbricht. Diese Erfahrung, übergroßen zerstörerischen Kräften hilflos und ohne Grund ausgesetzt gewesen zu sein, ist die Ursache für die sich immer wieder wiederholende schwerwiegende posttraumatische Belastung der Betroffenen.

Der Zwang zur Wiederholung, und das ist vielen Betroffenen bekannt, überdeckt die wesentliche Erfahrung der Traumatisierten, trotz allem überlebt zu haben, eigentlich: ins Ziel eingelaufen zu sein. Als Dipl. Psychologe kann ich traumatisierten Menschen dabei helfen, ein Gefühl zum individuellen Trauma zu entwickeln, wie sie ein Extremsportler beim Erreichen seines Ziels empfindet. Dadurch wird die Bahn für ein Leben in Richtung Normalität wieder frei.